Was ist systemische Therapie? 

Die systemische Therapie ist, wie die Verhaltenstherapie, die analytische Psychotherapie und die tiefenpsychologisch fundierte Therapie, eine Methode Therapien zu gestalten. Seit 2020 ist die systemische Therapie als Kassenleistung anerkannt. Im Gegensatz zu den anderen Verfahren steht bei der systemischen Therapie nicht nur eine einzelne Person im Vordergrund, sondern das ganze System. Ein System kann eine Familie sein aber auch ein Paar, eine Firma, ein bestimmter Freundeskreis etc. Es geht in der Therapie um die Wechselwirkung zwischen dem Klienten und dem System, in dem er sich aufhält. Dabei müssen nicht alle Mitglieder des Systems bei der Therapie anwesend sein oder miteinbezogen werden. Es kann jedoch hilfreich sein einige Systemmitglieder zumindest fiktiv miteinzubeziehen. Denn Menschen sind soziale Wesen und interagieren tagtäglich miteinander. Hier kann es zu problematischen Mustern und Verhaltensweisen kommen, was zu psychischen Erkrankungen eines Mitgliedes des Systems führen kann. 

 

Wer übernimmt die Kosten für eine systemische Therapie? 

Die Krankenkassen zahlen eine systemische Therapie nur dann, wenn diese von einem approbierten Psychotherapeuten durchgeführt wird, der zusätzlich noch einen Kassensitz innehat. Da die Anzahl der Kassensitze begrenzt ist und der Bedarf an Psychotherapie weiterhin steigt, gibt es hier Ausnahmen. Wenn Sie nachweisen können, dass Sie eine unzumutbare Wartezeit in Kauf nehmen müssen oder keiner der von Ihnen kontaktierten Therapeuten einen freien Platz anbieten kann, zahlen einige Kassen die Behandlung auch ohne, das der Therapeut einen Kassensitz hat. Meistens wird aber zumindest gefordert, dass eine Approbation, also eine Heilerlaubnis, als psychologischer Psychotherapeut vorhanden ist.  In seltenen Fällen übernehmen die gesetzlichen Kassen die systemische Therapie bei einem Heilpraktiker für Psychotherapie.  Anders sieht es bei einigen privaten Krankenkassen aus. Diese führen teilweise auch heilpraktische Behandlungen in ihrem Leistungskatalog. Sollten Sie eine systemische Therapie bei einem nicht approbierten Therapeuten machen wollen, ist es immer empfehlenswert im Vorfeld mit der Krankenkasse zu besprechen, ob eine Kostenübernahme möglich ist. 

 

Benötigt man eine Überweisung für eine systemische Therapie? 

Nein, Sie benötigen generell für eine Psychotherapie keine Überweisung. Dabei spielt es keine Rolle, ob es sich um eine Kassenleistung handelt oder nicht. 

 

Was sind die Vorteile daran eine (systemische) Therapie selber zu zahlen? 

Der größte Vorteil ist, dass die Krankenkasse keine Kenntnis über die Behandlung hat und somit auch keine Diagnose bei der Kasse hinterlegt wird. Vor allem für den Abschluss von Berufsunfähigkeitsversicherungen ist das ein entscheidender Vorteil. Für viele Klienten ist es auch entlastend, dass die Wartezeiten für Selbstzahler deutlich geringer sind und hier tatsächlich frühzeitig mit eine Therapie begonnen werden kann. Dieses Vorgehen kann auch als Übergang bis zum Beginn der, durch die Kasse finanzierte Therapie, genutzt werden. Zusätzlich ist es möglich die Kosten für eine systemische Therapie als außergewöhnliche Belastung steuerlich geltend zu machen. 

 

Was sind die Unterschiede zwischen Beratung und Therapie? 

In einer Beratung darf es nicht um die Behandlung psychischer Erkrankungen oder deren Diagnoseerhebung gehen. Beratungsanlässe entstehen eher bei Lebenskrisen, plötzlichen Todesfällen, Mobbingerfahrungen, Beziehungsproblemen etc. 

In einer Psychotherapie geht es dagegen um Störungen mit Krankheitswert. Der Begriff Therapie wird häufig mit Psychotherapie gleichgesetzt, ist aber nicht geschützt. 

 

Was unterscheidet die systemische Therapie von anderen Therapieverfahren? 

Ein großer Vorteil der systemischen Therapie ist, dass diese auf ein „System“ blickt und nicht nur auf eine einzelne Person. Das schafft häufig eine Entlastung bei allen Familienmitgliedern, sowie tragbare Lösungen, die im Alltag von allen gut umgesetzt werden können.  Systemische Therapie kann durch ihren Aufbau auch als Kurzzeittherapie „genutzt“ werden. Vielen Klienten schätzen das lösungsorientierte Arbeiten, ohne dabei das Problem zu verkennen. 


Wer darf systemische Therapie anbieten? 

Systemisch therapieren darf prinzipiell jeder, da der Begriff nicht geschützt ist. Meistens findet man jedoch gut ausgebildete Therapeuten vor, die eine Weiterbildung nach den Richtlinien z.B. der deutschen Gesellschaft für systemische Therapie, Beratung und Familientherapie (DGSF) absolviert haben. Hier gibt es Unterschiede in der Dauer und Intensität der Weiterbildung. Die Weiterbildung als systemischer Berater dauert in der Regel 2 Jahre. Systemischer Therapeut darf man sich nach 3 Jahren Weiterbildung nennen. Für die Bezeichnung systemischer Psychotherapeut (mit Heilerlaubnis) muss man in der Regel eine 3- 5 jährige Weiterbildung absolvieren. 

 

Werden Medikamente verschrieben in der systemischen Therapie?

Medikamente werden ausschließlich von Psychiatern verschrieben und dienen als Unterstützung für die Psychotherapie. Im besten Fall besteht eine enge Zusammenarbeit zwischen Therapeut und Psychiater. 

Wie läuft eine systemische Therapie ab? 

Eine systemische Therapie beginnt immer mit einem Erstgespräch, in dem man Zeit hat sich kennen zu lernen und zu prüfen, ob eine Zusammenarbeit möglich ist. Anschließend folgt die Klärung des Anliegens, also welches Thema Sie gerne in der Therapie bearbeiten möchten. In weiteren Sitzungen kann dann eine Anamnese, Biographie und Genogrammarbeit folgen. Insgesamt ist der Ablauf und die Dauer der einzelnen Sitzungen individuell und richtet sich nach der Absprache zwischen Therapeut und Klient.